Geschichte

Seit 1474 war die Grafschaft Erlach bernisch, das heisst: auch die Bewohner von Lüscherz und Gurzelen waren bernische Untertanen. Die Stadt Bern regierte über das Land. Die Armennot im Kanton Bern war der Auslöser zur Schaffung des Heimatortes. Ausländische und einheimische Arme durchstreiften die Gegend. Um die Gemeindekasse nicht zu belasten, wurde solches „Gesindel“ aus der Gemeinde abgeschoben, dorthin, woher es gekommen war. Die Obrigkeit zu Bern wollte das unwürdige Abschieben von Armen verhindern durch den Erlass einer ganzen Reihe von Bättlerordnungen.

Am bedeutsamsten war diejenige vom 14. Oktober 1679. Jedermann ist dort heimatberechtigt, wo er jetzt gerade wohnhaft ist und wo er „samt den seinigen“ (Angehörigen / Familie) fortan ohne weiteres Disputieren geduldet werden solle Heimatort! So erhielt jede Person im Kanton Bern in ihrem Aufenthaltsort ihr Heimatrecht.

In Lüscherz gehörten damals die allermeisten Dorfbewohner ohnehin zu den alteingesessenen Familien: Anker, Bärtschi, Dubler, Fischer, Gebhardt, Grimm, Gutmann, Hauen, Laubscher, Mügeli, Spätig, Tribolet, Willemeth und Züttel. Wenn einer später seinen Wohnort wechselt (zügelt), erhält er einen Heimatschein. Es solle dem Wegziehenden aber geichwohl samt seinen Kindern das Heimatrecht von Lüscherz verbleiben. Er solle jederzeit in seiner Heimatgemeinde Lüscherz wieder aufgenommen werden, die ihn im Verarmungsfalle unterstützen werde.

Auf diese Weise wurde 1679 das persönliche, immer bleibende und erbliche Heimatrecht geschaffen, das heutige Burgerrecht.

Im Jahr 1756 kommt Landvogt Daniel Wyttenbach, Schloss Erlach, höchstpersönlich nach Lüscherz, um mit den Burgern (Männersache!) ein Dorfreglement aufzusetzen. Dieses schreibt die politische Organisation der Gemeinde Lüscherz fest. Nur Burger waren berechtigt – und verpflichtet – an den Gemeindeversammlungen teilzunehmen. Burger besetzten die Gemeindeämter.

1798 Untergang des Alten Bern. Französische Truppen besetzten das Bernerland. Die Helvetische Verfassung bringt politisch die Gleichstellung von Burgern und Hintersassen (andernorts heimatberechtigt). Keine Vorrechte für Lüscherz-Burger mehr.

1803 Abzug der Franzosen.

Die alte, vor 1798 geltende politische Ordnung wird wieder hergestellt. Das Sagen haben immer noch die Bern-Patrizier.

1831 Neue Verfassung.

1833 Bernisches Gemeindegesetz bringt die Einführung der Einwohnergemeinden. Burgergemeinden bleiben bestehen.

1854 Vertrag über die Ausscheidung der Güter zwischen der Burger- und der Einwohnergemeinde Lüscherz.

Das Gemeindegesetz vom 6. Dezember 1852 löste eine Wende im selbstherrlichen burgerlichen Finanzgebaren aus. Beide Verhandlungspartner zeigten sich kompromissbereit, so dass eine klare Regelung der Besitzverhältnisse erzielt werden konnte.

Die Ausscheidungsurkunde wurde „abgeredt und durch die Einwohner- und Burgergemeinde in Lüscherz den 25. Juli 1854 beschlossen“. Der Burgergemeinde bleibt das Recht vorbehalten, im alten (unteren) Schulhause sowohl ihre Sitzungen als ihr Archiv unentgeltlich halten zu können.

Im Gegensatz zu anderen Burgergemeinden besitzt die Burgergemeinde Lüscherz kein Wald. Dafür gehören der Burgergemeinde Lüscherz viel Moosland, sowie der Seerain. Der Pachtzins aus diesen Grundstücken ist die grösste Einnahmequellle der Burgergemeinde Lüscherz. Seit einigen Jahren erleben wir in den Sommermonaten einen grossen Andrang auf unsere Lagerplätze direkt am See. Besonders viele Pfadfindergruppen möchten während dieser Zeit einen Platz für ihr Lager mieten.


Verfasser: Fred Spätig, Lüscherz